EINE „KLEINE SCHOWO“ – ABER IN INTERNATIONALER VIELFALT :

DAS 8. INTERNATIONALE FEST AUF DEM KIRCHPLATZ

Wissen Sie, was das bedeutet: „Tatlı yiyelim tatlı konuşalım“? (Lasst uns Süßes essen und lasst uns Süßes reden.) Diese auf das Fest passende und weitere Redensarten in sieben Sprachen umgaben als Plakate den Kirchplatz, auf dem am 1. Juli das 8. Internationale Fest stattfand, veranstaltet vom Bündnis gegen Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus in Kooperation mit der Evangelischen Stadtkirche und der Stadtverwaltung.

Internationale Gruppen aus Schorndorf bauten hier ihre Stände auf und luden in- und ausländische Mitbürger zur Begegnung ein, zum Plaudern und um exotische Leckerbissen zu kosten, z.B. frittierte Bananen aus Ghana, türkische Baklava oder italienische Bruschetta. Dazu gab´s Tänze und Musik aus „aller Herren Länder“, technisch stets zuverlässig begleitet von Tonmann Max Seeger. Zur Einstimmung hörte man schon von weitem die Trommeln der Musikgruppe „Congomania“ um Andreas Pastorek.

Bambini- und Jugendgruppe, Griechischer Tanz- und Folklore-Verein

 

Den ganzen Nachmittag konnte man den Turm der Stadtkirche besteigen und einen Blick auf die Stadt und in den grauen Himmel wagen. In der Kirche selbst wurden kurze Filme zum Thema Fremdenfeindlichkeit und Migration gezeigt. Dass die Begrüßung in der richtigen Sprache jeweils gelang, dafür sorgten Postkarten mit entsprechender Sprachhilfe, die auf den Tischen zum Mitnehmen auslagen.

„Über 100 Nationen leben in Schorndorf friedlich“ beieinander, hob der Erste Bürgermeister Edgar Hemmerich im Grußwort der Stadt hervor. Das Bündnis gegen Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus sorge mit dafür, dass „diejenigen, die fremdenfeindlich sind, keine Chance haben sich auszubreiten.“ Die Stadtverwaltung stehe an der Seite des Bündnisses.

 

Zuvor hatte Stadtpfarrerin Dorothee Eisrich – quasi als Hausherrin – Besucher und Gruppen herzlich willkommen geheißen. Christa Hess, Mitglied des Bündnisses bedankte sich auch im Namen der beiden Sprecher des Bündnisses Necip Bakir und Hans-Martin Tramer für die großartige materielle und ideelle Unterstützung der Stadt und Kirche und stellte die am Fest beteiligten Gruppen und Programmpunkte vor. „Wir wollen Vielfalt als Reichtum schätzen, uns immer wieder neu begegnen, Kontakte vertiefen und gemeinsam feiern“, umriss sie das Ziel.

„Wir haben Vielfalt gezeigt – wie in den vergangenen Jahren.“

Am Rande des Kirchplatzes bot der Kinderschutzbund ein vielfältiges Programm für Kinder, das auch ohne sprachliche Verständigung gut funktionierte: Flüchtlingskinder konnten so beim Malen und Stelzenlaufen ebenso ihren Spaß haben wie deutsch sprechende Kinder. Renate Faltin und Friederike Köstlin – immer „auf Abruf parat“, wenn`s um Aktivitäten für und mit Kindern geht, ob Stadtlauf oder Familienzentrum etc. – waren mit weiteren Helferinnen hier vor Ort.

Bailan Ensemble, Verein für Deutsch- Chinesische Freundschaft

Das Kreishaus der Jugendarbeit Rems-Murr war vertreten mit einer kreativen Button-Aktion: jeder konnte sich seinen Button gestalten und stanzen. Zusätzlich gab´s Infos und Gespräche mit Beate Baur, Bildungsreferentin für Diversity und Sonja Großhans, Leiterin der Fachstelle Rechtsextremismus im Kreisjugendamt. „Wichtig ist es uns, dass sich jeder mit seiner eigenen Haltung auseinandersetzt“. Und mit Buttons kann man diese auf kreative Art gleich auch zeigen. Auch der Jugendmigrationsdienst war mit einem Stand dabei.

Die Partnerschaftsvereine – schon immer vorbildhaft international vernetzt – waren mit vor Ort, der Eine-Welt-Laden „El Mundo“ stellte vor allem sein faires Kaffeeprojekt El Mundillo vor. Auch die Projekte der Evangelischen Kirche in Partnerschaft mit der Anglikanischen Kirche in Kitale / Kenia lernte man kennen.

Der „Zauberfaden“ präsentierte seine Kollektion von Taschen aus der Nähwerkstatt mit Flüchtlingen. Am Stand der griechischen Schule konnte man erfahren, dass schon seit Jahren der Griechischunterricht in Kooperation mit Künkelin- und Schlosswallschule erfolgreich als AG angeboten wird, – dadurch, dass der griechische Staat die Lehrkraft zahlt, für die Eltern sogar kostenlos.

„Die Menschen haben ein Bedürfnis miteinander zu feiern – schlechte Wetterprognosen halten sie nicht davon ab.“

Das „Sprachcafé für Frauen, die gerne deutsch sprechen wollen“ stellte sich vor. „Offen und kostenlos“ findet es seit zehn Jahren dienstags während der Schulzeiten im AWO-Café unter der Stadtbücherei statt. Neben den Leiterinnen des Sprachcafés Annie Schophaus und Margit Reisch tranken Maria, Anna und Srebrena ihren Kaffee. Sie sind schon viele Jahre Sprachcafé-Besucherinnen und voll des Lobes über diese Möglichkeit, ihr Deutsch zu verbessern.

Der Deutsch-Italienische Verein A.S.C.I. – auch ein in Schorndorf „alt eingesessener“ Verein – erfreute mit italienischen Gaumenfreuden. Die Mädchen der Internationalen Tanzgruppe „Black Shadows“ der SG Schorndorf eröffneten den bunten Reigen auf der Bühne, farbenfroh und temperamentvoll, voll Freude an der Choreografie und an ihren pro Tanz wechselnden fantasievollen, orientalisch inspirierten Kostümen.

Dann folgten elf griechische Mädchen – eins kleiner und jünger als das andere – konzentriert und rhythmisch ihrem „Vortänzer“ im Reihentanz. „Jeder darf kommen“, sagte ihr Tanzlehrer im Gespräch, „zum griechisch Tanzenlernen muss man nicht Grieche sein.“ Geübt wird im Schockareal, in der Gmünder Straße. Er selbst – erzählt er – hat die Volkstänze noch in der Schule in Nordgriechenland gelernt, nun gibt er sie erfolgreich weiter. Getoppt wurden die Kinder nur noch von den vier jungen Männern, die ausdruckstark und diszipliniert ihre Reihentänze vorführten.

Gemeinsamer Tanz mit syrischer Musik

Etse Kwawukume und Nan Ansong aus Ghana zeigten den Zuhörern mit Trommeln und Gesang einen „Weg in die Zukunft“, zu zwei tibetischen Liedern tanzten in farbenfrohen Gewändern das chinesische Tanzensemble „Bailan“, junge Kung-Fu-Kämpfer des Shaolinzentrums Schorndorf beeindruckten das Publikum, – beide auf Einladung des Fördervereins für Deutsch-Chinesische Freundschaft. Eddie, ein junger Mann aus Bosnien beeindruckte mit Gitarre und Street-Dance, Spanien ließ sich durch das Flamenco-Studio Lela bestens vertreten und zum Schluss heizte die syrische Band Sema ein – sie versuchte es, denn dann kam, was über dem ganzen Fest als Drohung hing: die Wolken konnten`s nicht mehr halten und es regnete doch.

Sema wird hoffentlich bald in ganzer Länge zu hören sein. Dass es sich lohnt, haben sie mit einem anrührenden „Lied an die Mutter“ gezeigt. Sie spielen auf traditionellen Instrumenten, haben sich in der Flüchtlingsunterkunft in Waiblingen kennengelernt.

Hans-Martin Tramer, unermüdlicher Organisator im Hintergrund: „Wir haben Vielfalt gezeigt – wie in den vergangenen Jahren. Ich habe gesagt: es regnet nicht, stimmt ja beinahe“. Und Oguz Guruhan ergänzt: „Die Menschen haben ein Bedürfnis miteinander zu feiern – schlechte Wetterprognosen halten sie nicht davon ab.“

 

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