Warum es das Schorndorfer Bündnis gibt

Im November 2000 war in der Schorndorfer Innenstadt ein griechischer Geschäftsmann von acht NPD-Anhängern mit fremdenfeindlichen Parolen beschimpft und schwer verletzt worden.

Aufgrund dieses Gewaltübergriffs auf einen ausländischen Mitbürger initiierten Schorndorfer Bürger das Bündnis gegen Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus. Dass der rassistisch motivierte Angriff kein Einzelfall war, mussten wir bei unserer Arbeit feststellen.

 

Im Rems-Murr-Kreis: Gewaltbereite Rechtsradikale und tödlicher Rassismus

Im Rems-Murr-Kreis brannten Asylheime und immer wieder kam es zu Übergriffen auf Mitbürgerinnen und Mitbürger mit ausländischen Wurzeln. In der Nachbargemeinde Winterbach trafen sich jahrelang am Wochenende Skinheads. Ab 2006 wurde die „Linde“ in Weiler zu einem Treffpunkt von Neonazis. In Korb fanden mehrfach Landesparteitage der NPD statt.

Der lebensgefährliche Brandanschlag in Winterbach im April 2011 bildete einen schrecklichen Höhepunkt. Dort kam es bei einer „Geburtstagsparty“ von Rechtsextremen zu Angriffen gegen einige junge Leute, die auf dem benachbarten Gütle grillten. Die verängstigten Jugendlichen türkischer und italienischer Herkunft riefen die Polizei. Die Gartenhütte, in die sie sich gerettet hatten, wurde in Brand gesetzt. Einer der Rechtsradikalen war bereits zehn Jahre zuvor bei dem Schorndorfer Anschlag beteiligt gewesen.

 

Brandanschlag in Winterbach im April 2011

 

Morde, Bombenanschläge, Terror – Schweigen ist falsch und gefährlich

Die Tatsache, dass Rechtsradikale über 10 Jahre hinweg „Ausländer“ mordend durch Deutschland ziehen konnten, hat unser Land erschüttert.  Welche Rolle der Verfassungsschutz bei diesen Terrortaten spielte, verlangt lückenlose Aufklärung und Konsequenzen.

Dass Polizei und Ermittlungsbehörden den Opfern der Rechtsterroristen kriminelle Machenschaften unterstellten, deutet auf fremdenfeindliche Vorurteile hin. Die Opfer wurden verleumdet und diffamiert, Hinweise und Fragen der Angehörigen nicht einmal geprüft.

Wie sollen Mitbürger ausländischer Herkunft Vertrauen in staatliche Behörden haben, wenn Rassismus sogar Ermittlungsarbeiten vereitelt?

 

Was wir wollen

Integration an der Basis fördern

Wir wollen mit der Bildung lokaler Netzwerke Integration an der Basis fördern. Für ein faires Zusammenwachsen in Nachbarschaft und Schule, in Betrieben und Vereinen braucht es Mut und kritisches Engagement von allen Beteiligten.

Wir fördern deshalb Informationsveranstaltungen in Schulen, führen interreligiöse Lernabende durch oder laden zu türkisch-deutschem Kabarett ein. Wir organisieren Ausstellungen, Diskussionsrunden und Sprachförderung. In Zusammenarbeit mit der Volkshochschule und der Islamischen Gemeinde e.  V. führen wir laufend Führungen in der großen Schorndorfer Moschee durch.

Das von uns ins Leben gerufene Internationale Fest ist aus dem Festleben der Schorndorfer nicht mehr wegzudenken. Es findet alle zwei Jahre im Herzen der Altstadt zwischen Stadtkirche und Heimatmuseum statt.  Vom Chinesischen Verein, der Islamischen Gemeinde, italienischen und griechischen Gruppen bis zu Eine-Welt-Laden El Mundo, Jugendmigrationsdienst, Russlanddeutschen, aus Asien und Afrika kommenden Mitbürgern und vielen weiteren zeigt sich dabei Schorndorfs Vielfalt.

Internationales Fest 2013

Hand in Hand für Vielfalt und gegen Gewalt gilt für Einheimische ebenso wie für die Zugezogenen. Doch im Alltag führen kulturelle und religiöse Unterschiede vielfach zu Reibungen und machen Angst.

Auf jeder Seite gibt es Vorurteile, Intoleranz und Feindbilder. Das erschwert das gegenseitige Kennenlernen oder verhindert es ganz. Der Andere wird nicht als Mensch wahrgenommen, sondern auf ein soziales, politisches oder religiöses Etikett reduziert.

 

Weil sich die bundesdeutsche Politik über Jahrzehnte hinweg schwer getan hat, hier lebenden und arbeitenden Menschen eine Heimat zu geben, besteht auch auf kommunaler Ebene ein Nachholbedarf an integrationsfördernden Maßnahmen. Neben Bildungsprojekten betrifft dies vor allem die Partizipation der Migranten im öffentlichen Leben unserer Gemeinden.

 

Freilich reicht es nicht, nach Fördermaßnahmen, Polizei und Sozialarbeitern zu rufen. Für ein faires Zusammenleben  und gegen alltäglichen Rassismus, gegen Diskriminierung und Ausgrenzung können wir alle etwas tun.

 

Rassismus beim Namen nennen: Einmischen statt wegsehen

Gewaltbereite und organisierte Neonazis sind nur die Spitze des Eisbergs. Fremdenfeindliches, rechtsextremes Gedankengut ist weit verbreitet. Rassistische Haltungen werden in der Mitte der Gesellschaft oftmals geduldet oder gar bejaht. Alltagsrassismus, Beleidigungen und körperliche Übergriffe finden tagtäglich statt. Viele Menschen reagieren unsicher und schauen oder hören einfach weg. Sie merken kaum, dass sie damit selbst ein Klima von Gewalt fördern und verstärken.

Interkulturelles Wissen und interkulturelle Kompetenz sind im Hinblick auf die wachsende Internationalität der Schorndorfer Bevölkerung und weltweite Wirtschaftsbeziehungen unentbehrlich. Das moderne Flair unserer Stadt, die Lebensqualität und Attraktivität, speist sich aus beidem:

Den Impulsen aus den Kulturen, die in Schorndorf inzwischen zu Hause sind, und aus alteingesessenen Traditionen.

 

 

 

 

 
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